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Kontakt

Vera Nabbefeld
Telefon: 02835/10-24
E-Mail: touristik@issum.de

Gemeinde Issum - His-Törchen
Herrlichkeit 7 - 9
47661 Issum



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Synagoge

Foto der Synagoge

Die älteste Spur eines Bethauses der Issumer Juden führt in das Jahr 1791 zurück. Das heute noch erhaltene Gebäude wurde von der jüdischen Gemeinde 1855 gekauft. Wahrscheinlich ist es schon vorher als Betraum benutzt worden. Die feierliche Einweihung am 16. Dezember 1865 lässt auf einen vorausgegangenen Umbau bzw. eine Erweiterung des Gebäudes zur größeren Synagoge schließen. 1875 wurde die Einweihung einer neuen Thorarolle festlich begangen. 1900 ging das Gebäude in den Besitz der Synagogengemeinde Geldern über.

In den folgenden Jahren fiel es der jüdischen Gemeinde Issums, die ständig kleiner wurde, immer schwerer, das Bethaus liturgisch vorschriftsmäßig zu nutzen, so dass man sich schließlich um einen Verkauf bemühte, der 1935 zustande kam. Die Synagoge wurde fortan ausschließlich zu profanen Zwecken genutzt. Dass sie - im Gegensatz beispielsweise zur ungleich ansehnlicheren Gelderner Synagoge - die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 überstand und wir in ihr die einzige erhaltene ehemalige Dorfsynagoge am unteren Niederrhein besitzen, muss vor allem auf den frühzeitigen Besitzwechsel und die profane Nutzung zurückgeführt werden. Auch ihre versteckte Hinterhoflage in einem dichtbebauten Wohngebiet könnte eine Rolle gespielt haben.

Foto Mikwe in der Synagoge

Die Mikwe
Eine Fülle von Reinheitsgesetzen mit genauen Waschungsvorschriften machte bei einer Synagoge die Errichtung eines kultischen Bades obligatorisch. Da dieses mit "lebendem" Wasser gespeist werden musste, reichte es oft tief in den Boden hinab. In Issum ist eine dieser heute seltenen Mikwen im Kellergeschoss unter dem Schulhaus erhalten geblieben. Bei der Restaurierung wurde sie im aufgefundenen, ursprünglichen Zustand belassen.

Schulhaus und Schulbetrieb
Die Geschichte der jüdischen Elementarschule in Issum war nur von kurzer Dauer. Das unmittelbar der Synagoge angegliederte Schulhaus war nur während der Jahre von 1869 bis 1879 voll in Funktion. Lehrer war der Kantor der Gemeinde, Jacob Meyerson aus Wesseling bei Köln. Zu seinem Aufgabenbereich gehörte auch die religiöse Bildung der Gemeinde.

Die Schule war so arm wie die Gemeinde, so dass die Bemängelung der Enge und Ausstattung durch die zuständige Behörde nicht ausbleiben konnte: neben einem Spiel- und Turnplatz fehle an Lernmitteln "fast alles", und der Lehrer beziehe ein kärgliches Gehalt von 170 Talern jährlich. "Es werde für ratsam erachtet, dass die Schule eingeht" - so der damalige Kreisschulinspektor. Dies wusste der Gemeindevorstand zu verhindern. Dass der Schulbetrieb nach zehn Jahren doch eingestellt wurde, hatte seinen Grund in dem Rückgang der Schülerzahl. Meyerson führte den Unterricht bis 1883 privat weiter und erteilte noch weitere zehn Jahre Religionsunterricht. Er fand sein Grab 1905 auf dem jüdischen Friedhof in Issum.

Foto Synagoge Innenansicht mit Empore

Im Schulhaus findet der Besucher heute eine Dokumentation zur Geschichte der Juden am Ort und in der Umgebung sowie eine Ausstellung von jüdischen Kult- und Gebrauchsgegenständen.

Die Gemeinde Issum erwarb den Gebäudekomplex im Jahre 1987 und richtete den Synagogenraum als Gedenkstätte für die ehemaligen jüdischen Bürger Issums und des umliegenden Gebietes ein. Soweit möglich und bautechnisch sinnvoll, bemühte man sich um die Wiederherstellung des ursprünglichen Aussehens, so dass der Raum auch heute noch seinen Charakter als religiöser Mittelpunkt einer kleinen, bescheidenen Dorfgemeinde behalten hat.

Führungen durch eines der wenigen jüdischen Gemeindezentren in Nordrhein-Westfalen, das die nationalsozialistische Zeit überstanden hat.

Bei Besichtigung der ehemaligen Synagoge, der Mikwe und des Schulhauses erfahren Sie etwas über das Leben, die Riten und Symbole einer Landjudengemeinde.

Kosten der Führung:
Keine

Treffpunkt:
Ehemalige Synagoge Issum, Kapellener Straße 30 a, 47661 Issum

Gruppenstärke:
Zwischen 3 und 25 Personen; in Ausnahmefällen auch bis zu 40 Personen

Ansprechpartner:
Arbeitskreis "Jüdisches Bethaus Issum"

Kontaktadresse:
Johannes van Leuck, Telefon 0 28 35 / 39 13, Email: van_leuck@gmx.de oder
Gemeinde Issum, Telefon 0 28 35 / 10 24

Öffnungszeiten der Synagoge:
Jeden 1. Sonntag im Monat von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr, außer im Monat Januar
sowie Termine nach Vereinbarung.

 

Der jüdische Friedhof

Nach jüdischer Vorstellung ist das Recht des Toten auf seine Grabstelle immerwährend. Ein jüdischer Friedhof darf daher nicht eingeebnet oder aufgehoben werden. Trotzdem sind viele jüdische Friedhöfe in der Vergangenheit zerstört worden. Vielerorts aber sind sie noch erhalten. Hier galt meist, dass die "Ruhestatt der Toten der einzige lebendige Zeuge ist", der an die jüdische Gemeinde erinnert.

Der 1838 angelegte jüdische Friedhof von Issum liegt zwei Kilometer nordöstlich des Gemeindezentrums am Südhang der Bönningardt. Vermutlich wurden hier auch Gelderner Juden beigesetzt, bis diese 1866 einen eigenen Friedhof bekamen. Das 1764 qm große Grundstück war immer Eigentum der kommunalen Gemeinde und wird auch heute von dieser gepflegt. Die Grabsteine auf diesem inzwischen "geschlossenen" Friedhof - die letzte Beisetzung fand 1931 statt - sind in den letzten Jahren stark verwittert. Bilder in den Räumen des Schulhauses geben den besseren Zustand der Steine in früheren Jahren wieder.